Lektion 3 - Erfahrungen aus Norwegen, Teil 2
AsylbewerberInnen-Projekt der Dun Farm
In der Gemeinde Namsos, 200 Kilometer nördlich von Trondheim, liegt die Dun Farm, eine von der Gemeinschaft unterstützte Landwirtschaft. In den Jahren 2016 und 2017 hat die Farm in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz, dem norwegischen Direktorat für Integration und Diversität und dem Asylzentrum Namsos AsylbewerberInnen in die Genossenschaft integriert. Insgesamt waren mehr als 30 AsylbewerberInnen, darunter Erwachsene und Kinder, an dem Projekt beteiligt.

Auf der Farm arbeiten die Asylsuchenden mit den EinwohnerInnen zusammen. Die Erfahrung ist, dass der Hof ein gleichwertiges Lernfeld darstellt und somit einen guten Rahmen für die Integration bildet. Fähigkeiten, die in diesem Bereich benötigt werden, sind unabhängig vom kulturellen und/ oder nationalen Hintergrund und ermöglichen es Geflüchteten und Einheimischen, voneinander zu lernen. Die Zusammenarbeit auf dem Feld fördert außerdem gute Gespräche, ebenso wie das gemeinsame Arbeiten beim Pflanzen und Jäten.
Die Ernten werden unter allen TeilnehmerInnen geteilt und liefern einen guten Beitrag für die Versorgung. Die Pflanzen sind auch ein gutes Thema für Gespräche und den Erfahrungsaustausch, indem die TeilnehmerInnen Ideen für Rezepte, Konservierungsmethoden und Tipps für die Handhabung und Zubereitung der verschiedenen Gemüse austauschen.
Darüber hinaus wurden wilde Blumen und Kräuter geerntet und einige der Geflüchteten teilten ihr Wissen, wie man Gesundheitstees aus den Wildkräutern, die um die Felder herum wachsen, herstellt.

Für viele der Geflüchteten sind die Aussichten auf eine formale Bildung gering. Viele von ihnen sind aber an körperliche Arbeit gewöhnt und haben vielleicht sogar bäuerliche Erfahrung aus ihrem Heimatland. Durch die Teilnahme an den Hof-Aktivitäten haben sie die Chance, ihre Kompetenzen zu nutzen und wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten einzubringen. Dies fördert ihr Selbstwertgefühl und vermittelt eine positive Erfahrung durch die Bewältigung von Aufgaben.
Im Jahr 2017 wurde das Asylzentrum geschlossen. Der Betrieb hofft, im Jahr 2018 sesshafte Geflüchtete einbeziehen zu können. Außerdem hoffen sie, ein Projekt über Arbeitsfähigkeitstests, Sprachtraining und Unternehmertum starten zu können.
Die Idee besteht darin, die verschiedenen Arbeitsaufgaben auf dem Hof in verschiedene Module zu unterteilen, wie zum Beispiel die Pflege verschiedener Tiere, das Pflanzen von Gemüse, das mechanische Jäten in Biobetrieben, das Packen und Etikettieren von Gemüse, die Verwendung der verschiedenen Maschinen usw. Durch die Formalisierung von Lernzielen für diese Module werden die TeilnehmerInnen über ihre neu erworbenen Kompetenzen informiert und erfahren, ob eine Arbeit in der Landwirtschaft für sie möglich ist.
Gleichzeitig können TeilnehmerInnen mit dem Plan, ein eigenes Unternehmen zu gründen, wichtige Rückmeldungen erhalten und hilfreiche Diskussionen mit Fachleuten und möglichen Geschäftspartnern führen.