Lektion 2 - Hofbesuche als Chance für leichtere Integration
Ein besonderer Nutzen von Biohof-Besuchen liegt in den positiven Auswirkungen auf die Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen. In der Studie "Wie lernen Kinder und Jugendliche durch Zusammenarbeit zwischen Bauern und Schulen?" analysieren Linda Jolly und Erling Krogh von der Norwegischen Universität für Lebenswissenschaften die Vorteile von Hofbesuchen in Norwegen, wo mehrere Bauernhof- und Schulprojekte mit Besuchen von Geflüchteten arbeiten.
Ihre Erfahrungen zeigen viele Vorteile für die Integration von jungen Geflüchteten. Wenn Bäuerinnen und Bauern auf ihre Höfe einladen und sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen, können geflüchtete Kinder die Gelegenheit finden, vertraute Elemente und Erfahrungen aus ihrem Mutterland wiederzuentdecken und vielleicht ihre Fähigkeiten und ihr Wissen unter Beweis stellen zu können.

Weitere Information: “How do Children and Youth learn through Farm-school Cooperation?” Linda Jolly, Erling Krogh, Norwegian University of Life Sciences
Die Arbeiten und Aufgaben auf dem Bauernhof bieten die Möglichkeit, auf andere Weise gesehen zu werden, trotz Sprachbarrieren Kontakt aufzunehmen, aber auch Sprachkenntnisse zu erlangen. So wie die praktische Arbeit Jugendliche dazu inspiriert, in ihrer Muttersprache zu schreiben und zu erzählen, was sie auf dem Bauernhof getan haben, können die geflüchtete Kinder dies auch in der Sprache des Gastlandes kommunizieren, in das sie gekommen sind. Worte durch sinnliche Erfahrung zu lernen und sichtbare Ergebnisse zu erzielen, ist ein wichtiger Anreiz für das Sprachtraining.
Einige der jungen Geflüchteten, besonders diejenigen, die allein und ohne ihre Familien kommen, waren noch nie in der Schule. Nicht nur die Sprache, sondern die ganze Idee, auf einer Schulbank still zu sitzen, ist ihnen fremd. Es gibt Beispiele für Projekte mit landwirtschaftlicher Arbeit, bei denen die Chance, einen sinnvollen und sichtbaren Beitrag zu leisten, als Brücke zu einem neuen Land und einer neuen Lebensweise dient.

Der Besuch eines Bauernhofes kann auch Erinnerungen an das Heimatland wecken und damit u.U. Sehnsuchtsgefühle auslösen. Darüber hinaus könnte es aufgrund von Sprachbarrieren und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen schwierig sein, zu kommunizieren, was zu Missverständnissen führen könnte. Daher ist es wichtig, dass das Personal in der Lage ist, solche Probleme zu bewältigen. Es ist meist eine gute Lösung, mit beteiligten NGOs oder anderen Organisationen, die Erfahrung mit dieser Zielgruppe haben, zusammenzuarbeiten.
Der ökologische Landwirtschaftssektor bietet viele Möglichkeiten für gering qualifizierte Arbeitskräfte. Dieser wachsende Wirtschaftszweig benötigt motivierte junge Leute - FahrerInnen für den Lieferdienst, VerkäuferInnen, KöchInnen, BäckerInnen usw. sind notwendig, um den Hof zu betreiben. Betriebsbesichtigungen, die die unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten auf dem Bauernhof zeigen, können für junge Geflüchtete der erste Anreiz sein, über den ökologischen Landbau als einen Arbeitsplatz nachzudenken.