Einheit 1 – Die biologische Landwirtschaft vor Ort erleben

Was ist biologische Landwirtschaft?

Der ökologische Landbau basiert auf agrar-ökologischen Prinzipien. Dies bedeutet, dass ein Bio-Bauernhof so organisiert ist, dass die ökologischen Systeme der Natur so weit wie möglich nachgeahmt werden. In der Praxis haben die Tiere mehr Zugang zur Natur, sowohl zum Grasen als auch zur freien Bewegung, als auf einem konventionellen Bauernhof. Die Verwendung von Medikamenten wie Antibiotika ist stark reduziert. Die auf dem Hof angebauten Pflanzen sind vielfältiger, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Pflanzenarten, die auf dem Feld angebaut werden, als auch hinsichtlich der Fruchtfolge der verschiedenen Nutzpflanzen, Jahr für Jahr. Die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit ist ein Hauptanliegen des Biobauern, der darauf abzielt, der nächsten Generation einen reicheren Boden und eine bessere Umwelt zu bieten als das, was sie selbst geerbt haben.




10 gute Gründe für Bio -

zu finden in einer Broschüre von Bio Austria:





Biobauern wirtschaften im Kreislauf der Natur

Die Tiere auf dem Bauernhof fressen das Gras, ihr Dünger nährt den Boden, der Boden (und die Sonne) produziert Grünfutter sowie Getreide, Gemüse und Obst für Tiere und Menschen. Die biologische Landwirtschaft verzichtet auf industrielle Pestizide, Fungizide, Wachstumshormone, gentechnisch veränderte Organismen und mineralische Düngemittel. Bio-Bauernhöfe arbeiten nach ökologischen Prinzipien, die dazu dienen, die Umwelt zu schonen. Die Forschung hat gezeigt, dass auf biologisch bewirtschafteten Flächen die biologische Vielfalt im Boden, in den Pflanzengemeinschaften und unter Insekten und Vögeln zunimmt. Die LandwirtInnen auf Bio-Bauernhöfen sind LeiterInnen eines riesigen Orchesters lebender Organismen. Wenn die LandwirtInnen das richtige Gleichgewicht zwischen Tieren und Pflanzen für den Biohof finden, werden diese symbiotische Harmonie und das Zusammenspiel verbessert.

Um biologisch zertifizierte Produkte zu verkaufen, müssen sich die LandwirtInnen an strenge Regeln halten und dokumentieren, dass sie die Anforderungen für die ökologische Produktion erfüllt haben. Zertifizierungsagenturen sind in allen europäischen Ländern zu finden. Sie können einen Bio-Bauernhof in der Nähe Ihrer Schule oder Ihres Kindergartens finden, indem Sie sich an die Zertifizierungsstellen in Ihrem Land wenden.

Bio-Betriebe in Ihrer Nähe

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Bio-Bauernhöfen, die Führungen für Gruppen anbieten.

Wenn Sie einen passenden Hof in Ihrer Nähe suchen, die auch gerne Schulklassen oder Kindergartengruppen auf den Hof einladen, werden Sie auf der Homepage von "Ökolandbau" fündig. Dort finden Sie Demonstrationsbetriebe in den jeweiligen Bundesländern, die nach den ökologischen Kriterien wirtschaften. 

Warum brauchen SchülerInnen Besuche auf Bio-Betrieben?

Stellen Sie sich einen Moment vor, wie Kinder und Jugendliche heute in unserer modernen Gesellschaft Nahrung erfahren: Essen ist reichlich vorhanden, allgegenwärtig; es füllt den Kühlschrank, die Schränke, die Regale zu Hause und im Laden. Essen ist im Überfluss da, wenn das Geld dafür vorhanden ist. Aber woher kommt es? Wie kommen die Lebensmittel auf den Tisch, wie zum Geschäft?

Essen ist wichtig, unbestreitbar notwendig für unser tägliches Leben, doch die SchülerInnen wissen wenig über seine Herkunft. Besu
che auf Bio-Bauernhöfen können Kindern und Jugendlichen vermitteln, woher das Essen kommt, wie es angebaut wird und wie die Tiere leben. Dies trägt zum Verständnis eines der basalsten Faktoren im täglichen Leben bei und kann Kindern einen wichtigen Anker in ihrer Beziehung zu einer komplexen Gesellschaft geben.

Bauernhofbesuche, bei denen Kinder die Lebensmittel vom Feld kennen lernen und verkosten dürfen, können auch einen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten. Solche Gesundheitserwägungen haben in den Jahren 2006 bis 2012 zu einer Verdoppelung der Schulgartenprojekte an amerikanischen Schulen geführt. Wenn Kinder und Jugendliche durch aktives Tun eine Beziehung zu Ihrer Nahrung entwickeln können, werden Essgewohnheiten und Bewegung/Sport gleichermaßen positiv davon beeinflusst.

Besuche auf dem Biohof sind auch Ausflüge in die Natur und eine willkommene Abwechslung zum Lernen im Klassenzimmer. Alle Sinne werden angeregt, das aktive Tun führt zu nachhaltigem Lernen. Dieser Aspekt führt uns zur nächsten Frage.

Was ist einzigartig am Lernort Biobauernhof?

Bio-Betriebe schaffen eine Arena, in der Ökologie durch direkte Beobachtung und Erfahrung gelehrt und erlernt werden kann. Zum Beispiel ist der Kohlenstoffkreislauf, bei dem Kohlendioxid von den Pflanzen durch Photosynthese aufgenommen wird, als Kohlenhydrate durch die Pflanze transportiert und als Nahrung für Bakterien und Pilze in den Boden ausgeschieden wird, besonders wichtig für den Aufbau der Bodengesundheit in ökologischen Betrieben.

Im Gegensatz zu konventionellen Betrieben, die Kunstdünger zukaufen, verwenden Bio-Betriebe Gründünger mit Leguminosen, Humusaufbau durch Kompostierung und Fruchtwechsel, um die Böden zu ernähren. Während Kunstdünger enorme Mengen an Energie verbraucht und entsprechende Mengen an CO2 freisetzt, binden Biobauern durch biologische Prozesse Kohlenstoff im Boden und tragen so maßgeblich zum Klimaschutz bei. Der Zusammenhang zwischen Kohlenstoff, Boden und Klima wird transparent und nachvollziehbar. Der Traum der BiologielehrerInnen!

Biolebensmittel sind rückverfolgbar - vom Bauernhof auf dem sie gewachsen sind bis zu den VerbraucherInnen. Alternative Vermarktungsstrategien durch Hofläden, Einkaufsgemeinschaften und Bio-Abokisten bieten eine weitere Lernarena. Nach einem Arbeitstag auf dem Bauernhof werden Lebensmittelpreise und der Wert von Lebensmitteln zu interessanten Themen für Kinder und Jugendliche. Lebensmittelverschwendung, ein aktuelles Thema, wird greifbar für die SchülerInnen, wenn sie am Biohof erfahren, was an den Großhandel verkauft werden kann und was allein aufgrund von Größe oder Form aussortiert werden muss.

Gentechnik und die Monopolisierung der Samenproduktion ist ein weiteres wichtiges Thema, das beim Besuch auf Biohöfen vermittelt werden kann. Genetisch veränderte Organismen (GVO) und GVO-Pflanzen dürfen laut EU-Bio-Verordnung auf Bio-Betrieben nicht verwendet werden. Doch auch das Tierfutter muss am Biohof GVO-frei sein. Die Verwendung von GVO-Technologie in der konventionellen Landwirtschaft hat nicht nur die Anzahl der Unkrautvernichter wie Round-up (Glyphosat) erhöht, sondern auch die Urheberrechte von multinationalen Unternehmen an Saatgut erhöht. Bauernrechte können ein wichtiges Thema für die Nachbereitung eines Hofbesuches in der Schule sein.

Bio-Betriebe sind stärker diversifiziert als konventionelle Betriebe. Für SchülerInnen bedeutet dies ein breiteres Spektrum an Produktionen und Aufgaben. Etwas, das zu jedem Talent und Interesse passt, kann auf einem vielfältigen Betrieb gefunden werden. Mechanische Aufgaben, wie das Schmieren eines Traktors nach den Zeichnungen im Handbuch, das Füttern der Tiere, das Zubereiten von Gemüse und Obst für den Markt, das Reparieren von Zäunen, das Hacken von Holz, das Kochen am Lagerfeuer sind nur einige der Möglichkeiten bei der Lernende etwas finden, worin sie gut sind und was Spaß macht.

Wie wird Lernen durch einen Besuch auf einem Biohof gefördert?

Vielleicht wichtiger als das, was auf dem Hof gelernt werden kann, ist die Frage, wie Lernen am Hof erleichtert werden kann. Wenn wir als Erwachsene an eine wichtige Lernerfahrung denken, dann meistens an eine, in der wir begierig waren, etwas zuvor Beobachtetes selbst auszuprobieren. Meist auch im Zusammenhang mit Personen, die wir bewundert haben. Ein Funken Interesse, eine Verknüpfung wurde entfacht, wir wurden in die Art und Weise eingeführt, wie etwas getan werden könnte und wir hatten die Chance, es selbst zu versuchen. Oft kann diese Art des Lernens zu einer Leidenschaft werden. Als Kinder fanden lernten wir so viel wir konnten, weil wir mehr wissen wollten. Das ist etwas ganz anderes als das traditionelle Schullernen. Natürlich müssen die LandwirtInnen zeigen und erklären, aber die Gelegenheit zum praktischen Lernen sollte bei einem Hofbesuch im Vordergrund stehen. Motiviert durch die Aufgaben, die SchülerInnen übernehmen, entsteht ein Lernprozess - mit Hirn, Hand und Herz!

Aufgaben wie das Füttern der Tiere, das Einbringen der Ernte vom Feld oder Garten, das Kochen von Lebensmitteln vom Bauernhof - wenn SchülerInnen erfahren, dass sie zu einer wichtigen Aufgabe beitragen können, stärkt dies das Gefühl des Könnens und verbessert die Fähigkeiten der Lernenden - auch in anderen Bereichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass sinnvolle Aufgaben zum Lernen motivieren und neue Fähigkeiten erworben werden. Durch aktives Tun sind die Lernerfolge größer, als bei der theoretischen Arbeit im Klassenzimmer.

LehrerInnen sind oft erstaunt darüber, wie die SchülerInnen über ihre Erfahrungen nach den Biohofbesuchen schreiben und erzählen. Selbst wo SchülerInnen Schwierigkeiten haben, etwas sprachlich zu formulieren, sind sie nach dem Besuch am Biohof inspiriert und in der Lage, die konkreten Erlebnisse auf dem Bauernhof zu beschreiben und zu vermitteln.

Weitere Informationen zur Biologischen Landwirtschaft:

Zahlen, Daten und Fakten aus der Bio-Branche 2018 (pdf)

Fragen und Antworten zur Bio-Landwirtschaft

Infos zur Landnutzung vom Umweltbundesamt


Ein kurzer Film eines österreichischen Bio-Betriebes

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