Lektion 6 - S.E.E.S - landwirtschaftliche Ausbildung im Asylzentrum von Avnstrup (DK)

S.E.E.S (= Sozial, Ökonomisch, Ökologisch, Nachhaltigkeit) ist ein Prototyp einer landwirtschaftlichen Bildungsinitiative für Asylsuchende im Asylzentrum von Avnstrup. Es ist eine Kooperation zwischen Chora Connection, dem Roten Kreuz und Gaia Education, die erwachsene Asylsuchende im Bereich Nachhaltigkeit und Bio-Lebensmittelproduktion durch Gartenarbeit und Farmbesuche unter anderem ausbildet. Ziel des Projekts ist es, den wachsenden Bedarf an Flüchtlingsbildung und grüner Transformation zu verbinden.

May East and migrant women in classroom.

Foto und weitere Informationen: https://gaiaeducation.org/project-based-learning/denmark-2017

Das Projekt wurde 2016 und 2017 durchgeführt und hat 39 Asylbewerber mit unterschiedlichen Nationalitäten ausgebildet. Das Projekt befindet sich im Asylzentrum Avnstrup in der Gemeinde Lejre, 60 km außerhalb von Kopenhagen. Das Projekt ist ein Prototyp, der von der dänischen Einwanderungsbehörde unterstützt wird.

Die folgende Fallbeschreibung basiert auf Interviews mit den Gründern Karen Blincoe und Emil Blauert sowie auf der Website des Projekts:
http://choraconnection.dk/prototype/sees/?lang=en

Lehr-Methoden

Nach Ansicht der Projektgründer will das Projekt einige der allgemeinen Probleme im Zusammenhang mit dem Zerfall zwischen Körper und Geist, Nahrungsmittelproduktion und Menschen sowie dem Zerfall der Außen- und Innenbereiche der Asylzentren angehen.

alle Fotos: Chora Connection

Das Projekt zielt daher darauf ab, Gehirn, Herz und Körper durch praktische Ausbildung in nachhaltiger Entwicklung zu verbinden, wobei die umgebende Gesellschaft als "Klassenzimmer" genutzt wird.

Im Rahmen eines sechswöchigen Kurses werden die Teilnehmer über die Kombination von theoretischem und praktischem Unterricht in Bezug auf ökologische Ernährungssysteme, Nachhaltigkeit und Unternehmertum unterrichtet und in Bezug zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen gebracht.

Im Rahmen des Kurses errichten und / oder pflegen die Teilnehmer einen Garten, der auf den Prinzipien der Permakultur basiert und Bio-Bauern besucht. Während neues Wissen ein wichtiges Ziel ist, konzentrieren sich die Lehrer gleichermaßen darauf, das Bewusstsein der Teilnehmer für ihre Stärken zu erkennen und zu unterstützen und Vertrauen und Vertrauen in sich selbst aufzubauen.

Viele Teilnehmer fanden die Outdoor-Aktivitäten sehr wertvoll. Neben dem Erlangen neuen Wissens förderte die Gartenarbeit auch das Wohlbefinden und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Gemeinsam im Garten zu arbeiten, fördert den Aufbau von Freundschaften über verschiedene Kulturen hinweg. Es bietet auch Erkennbarkeit und eine Möglichkeit, den Herausforderungen und Sorgen ihrer derzeitigen Situation als Asylbewerber zu entkommen.

"Als Kind bin ich auf dem Land aufgewachsen, also bin ich es gewohnt, bei Kühen, Schafen und so weiter zu sein. Um die Tiere herum beruhigt mich, genau wie die Blumen und Pflanzen. In der Natur zu sein gibt dir Energie "(Teilnehmer, choraconnection.dk/prototype/sees/).

Da das Klima in Dänemark nur eine relativ kurze Vegetationsperiode erlaubt, erwägen sie derzeit den Anbau von Kulturbehältern, die das ganze Jahr über kultiviert werden können. Experimente mit dem Anbau von Pilzen waren in anderen Projekten erfolgreich und diese Erfahrungen können herangezogen werden.

Zusammenarbeit mit Landwirten

Die Teilnehmer besuchten auch lokale Bio-Bauern als Teil des Unterrichts. Diese Treffen dienten sowohl als Inspiration als auch als Wege, den theoretischen Unterricht mit der Praxis zu verbinden. Durch diese Besuche werden den Teilnehmern auch die Geschichte Dänemarks als Landwirtschaftsnation und einige der aktuellen Herausforderungen in der dänischen Landwirtschaft näher gebracht.

Die Treffen motivierten die Teilnehmer auch zu träumen und optimistischer in die Zukunft zu blicken. In der Lage zu sein, etwas Neues zu lernen und nach vorne zu schauen, war eine wichtige Erleichterung für viele Teilnehmer nach Jahren des Lebens als Flüchtlinge.

Viele äußerten den Wunsch, in ihrer Zukunft im ökologischen Landbau zu arbeiten, und fühlten sich sehr motiviert, einen Unterschied in Dänemark oder einem anderen zukünftigen Land zu bewirken.

Für die Bauern bot das Projekt wichtige Informationen darüber, wie man sein Unternehmen öffnen kann, wie man darüber kommuniziert und wie man sich mit Menschen mit Profilen, die traditionell nicht Teil der Farm sind, integrieren oder kooperieren kann.

Die Zusammenarbeit mit dem Asylzentrum kann somit Überlegungen anstoßen, wie die Unternehmensorganisation modernisiert und ein interessanter Arbeitsplatz für neue Berufe oder Hintergründe werden kann.

Laut den Projektgründern verbindet das Projekt damit den wachsenden Bedarf an Flüchtlingsbildung und grüner Transformation und unterstützt eine Perspektive auf Flüchtlinge als Ressourcen statt als Last.

Am Ende des Kurses erhalten die Teilnehmer ein Diplom, um ihre neuen Fähigkeiten und Kompetenzen zu dokumentieren.

Weitere Informationen: http://choraconnection.dk/prototype/sees/?lang=en

Empfehlungen für die Entwicklung ähnlicher Projekte

Emil Blauert, Mitbegründer des Projekts, erklärt, dass der beste Weg, um anzufangen, darin besteht, Leute einzubeziehen, die nahe an der Praxis sind und ein kleines Projekt zu entwickeln, das sich entwickeln und wachsen kann. Um in großem Maßstab nationale Projekte zu starten, kann es sich um einen langsamen und ressourcenintensiven Prozess handeln. Daher ist es oft besser, lokale Lösungen zu entwickeln - zumindest von Anfang an.

Für dieses Projekt identifizierten sie relevante Mitarbeiter, indem sie ein Brainstorming der benötigten Kompetenzen durchführten und anschließend Personen gründeten, die diese erfüllen konnten. Sie luden diese möglichen Mitarbeiter zu einem Workshop ein, in dem sie die Idee gemeinsam entwickelten und visualisierten. Die Visualisierung war wichtig, da sie das Projekt konkret und praktisch machte und dadurch das Engagement und den Glauben an das Projekt förderte.

Eine weitere wichtige Erfahrung ist es, die Motivation des Projekts zu betonen - die eigene Leidenschaft auszudrücken und dadurch die Menschen zu motivieren und die Aufregung aufrechtzuerhalten.